Dem Chorausflug lag ein straffer Zeitplan zugrunde. Bereits um 7.45 Uhr machte sich der Bus von der Meret-Oppenheim-Strasse aus auf den Weg zum rund eine Stunde entfernten Todtmoos im Schwarzwald. Dort angekommen, wurden wir von Katharina Mey, unserer im Kur- und Wallfahrtsort aufgewachsenen Kommunikations- und Projektleiterin der Pfarrei, herzlich empfangen. Bei Kaffee und Gipfeli stärkten wir uns im Pfarreihaus für den bevorstehenden Tag.


Wallfahrtskirche Todtmoos „Unserer Lieben Frau“ und Blumendekoration beim Hotel Rössle
Nach einem kurzen Einsingen führte uns der Weg in die eindrucksvolle barocke Wallfahrtskirche. Mit ihrer prächtigen Ausstattung und der besonderen Atmosphäre bot sie einen würdigen Rahmen für unseren musikalischen Beitrag. So begann ein abwechslungsreicher Tag, der von Gemeinschaft, Musik und vielen bereichernden Begegnungen geprägt sein sollte.
Während wir es gewohnt sind, auch in der Heiliggeistkirche die Empore zu erklimmen, gestalteten sich sowohl die Vorbereitungen als auch der Gottesdienst diesmal etwas anders als gewohnt. Auf der begrenzten Fläche der Galerie mussten wir uns in den einzelnen Stimmregistern kreativ rund um das Orgelpult arrangieren. Das Wort „kreativ“ beschreibt dabei nicht nur unsere Aufstellung, sondern passt auch hervorragend zum gesamten Gottesdienst.
Besonders in Erinnerung bleibt die lebendige und wortreiche Gestaltung durch unseren Wallfahrtsrektor Pater Roman vom Paulinerorden (OSPPE). Sowohl in seiner Predigt als auch in seinem ausführlichen Schlusswort brachte er seine sichtliche Freude über den Besuch unseres Chores und unseres Pfarrers Marc-André zum Ausdruck. Dabei sorgte er mit seinen spontanen Gedanken und Assoziationen immer wieder für heitere Momente.
Für die musikalische Abrundung sorgten der Chor und das eindrucksvolle Orgelspiel. Unser Chorleiter Joachim stellte dabei einmal mehr sein einwandfreies Können an der Orgel – trotz gewöhnungsbedürftigem Spieltisch und Registerpult – unter Beweis und verlieh der Feier einen würdigen musikalischen Rahmen.



Bevor gesungen wird, wird verhandelt. Joachim Krause und Pater Roman kurz vor dem Gottesdienst.
Wie wir bereits während der Busfahrt von der Ausflugsorganisatorin Judith Bitterli und später auch in der Predigt von Pater Roman erfuhren, reichen die Beziehungen zwischen Basel und dem Schwarzwälder Wallfahrtsort Todtmoos bis in die späten 1430er-Jahre zurück. Auf der Zeittafelseite von altbasel.ch wird dazu berichtet:
„Während in der Hitze des Sommers die Pest furchtbar wütete, wurden offenbar keinerlei Massnahmen zum Seuchenschutz im modernen Sinne ergriffen. Hingegen suchte man sein Heil im Glauben. Auf den 12. Juni 1439 ordnete der Rat Basels eine Wallfahrt zum Marienheiligtum Todtmoos im oberen Wehratal im Schwarzwald an, um Beistand gegen die Seuche zu erbitten. Rund tausend Personen schlossen sich an. Die Stadt schickte zwanzig Geistliche mit auf die Pilgerfahrt.“
Auf unserer Fahrt war nur ein Geistlicher dabei und Massnahmen zum Seuchenschutz mussten nicht ergriffen werden.
Aus heutiger Sicht erscheint die mittelalterliche Form der Seuchenbekämpfung kontraproduktiv. Grosse Menschenansammlungen boten damals beste Voraussetzungen, um insbesondere die Lungenpest durch Tröpfcheninfektionen weiterzuverbreiten. Die Hoffnung auf göttlichen Beistand dürfte somit nicht selten von einer ungewollten Vermehrung der Ansteckungen begleitet worden sein.
Unsere Reise nach Todtmoos stand glücklicherweise unter weit erfreulicheren Vorzeichen. Sie war ausschliesslich musikalischer Natur, und mit „Tröpfchen“ kamen wir lediglich in flüssiger Form in Berührung: bei einem Glas Sekt oder Wein im Schwarzwaldgasthof Rössle, wo wir nach dem Gottesdienst ein feines Mittagessen geniessen durften. Dort bot sich auch Gelegenheit, die zahlreichen Eindrücke des Vormittags, insbesondere jene aus dem Gottesdienst, in geselliger Runde Revue passieren zu lassen.
Bootsanlagestelle am Schluchsee
Nach dem Mittagessen führte uns der Ausflug weiter an den Schluchsee. Mehr als nur pünktlich fanden sich alle zur Schifffahrt ein, ganz im Sinne der unmissverständlichen Anweisung, rechtzeitig vor Ort zu sein, da das Schiff bekanntlich nicht auf Nachzügler wartet und Nachschwimmen wohl nur für die Wenigsten eine ernsthafte Option gewesen wäre.
Während der gemütlichen Rundfahrt bot sich reichlich Gelegenheit zum Austausch in geselliger Runde. Bei Kaffee, Getränken und angeregten Gesprächen wurde nicht nur über Musik und den vergangenen Gottesdienst gesprochen. Auch die Frage, ob der Schluchsee nun als romantisch zu bezeichnen sei oder nicht, beschäftigte den einen oder die andere. Eine abschliessende Antwort konnte dazu nicht gefunden werden.
Gegen 17.00 Uhr traten wir schliesslich die Rückreise nach Basel an. Dabei begegneten uns erneut zahlreiche „Tropfen“, diesmal allerdings nicht in Gläsern, sondern von oben. Nachdem uns das Wetter den ganzen Tag über wohlgesinnt gewesen war, öffnete der Himmel auf der Heimfahrt seine Schleusen, und zeitweise goss es in Kübeln. Unser Chauffeur Luis Vicente wusste uns aber wohl- und gut unterhalten nach Basel zurückzuführen.
Ein besonderer Dank gebührt an dieser Stelle Judith Bitterli für die hervorragende Planung und die engagierte Begleitung unseres Ausflugs. In Erinnerung bleiben sicher die weiten Assoziationsketten des Wallfahrtsrektors Pater Roman zu Judiths Nachnamen während des Gottesdienstes. Auch ihm gebührt unser grosser Dank ebenso unserem geistlichen Begleiter Marc-André und natürlich unserem Chorleiter Joachim.



