Pastoralraumreise Basel-Stadt
15. – 20. Februar 2026
Tag 1
Wenn nur nicht immer diese frühen Abfahrtszeiten wären. Es ist 5.15 Uhr, mein Taxi steht vor der Tür, einsatzbereit Richtung St. Anton. Heute geht es mit dem Pastoralraum Basel-Stadt in die Ewige Stadt Rom. Tatsächlich hatte ich den Entschluss, hier mit dabei sein zu wollen, schon im letzten Oktober gefasst. Bunte Truppe, andere Pfarreien und ein Hauch von Flixbus-Flair gen Gotthard bis zur Hauptstadt Italiens: ROMA!
Der Bus ist insgesamt fahrtauglich, lässt sich aber auch auf die late 80er Jahre zurückführen, zumindest was das Interieur und die fehlende Toilette betrifft.
Dafür machen wir Pause an der schönsten Tankstellenraststätte, die ich je gesehen habe: Gotthard Raststätte im Kanton Uri. In dem Fall sind Toiletten im Bus auch völlig überbewertet. Und das Wichtigste neben den netten Gästen, der funktionierenden Klimaanlage und einer angenehmen Reise ist ein USB-Anschluss!
Wilhelm Tell wurde auch schon rezitiert, aus dem Kopf, mehrere Minuten. Das wird eine grossartige Reise, ich fühle es. Auch das Wetter ist unglaublich – warm, sonnig, einladend. Und der Cappuccino für 2,50 € und sooooo lecker.
Nach 13 Stunden fährt der Bus ein, ich fühle mich wie ein Fussballer, der ins Stadion eskortiert wird. Die Zimmer sind riesig, es stehen drei Betten zur Verfügung und ich entscheide mich spontan für das mittlere, wie bei der Kindersendung 1, 2 oder 3. Nach einem sehr feinen Abendessen, einem Geburtstagsständchen für eine Teilnehmerin, geht es noch zum Petersdom. Wow, eine tolle Stimmung um diese Uhrzeit, es ist mittlerweile 22.00 Uhr. Wenige Menschen versammeln sich noch, schlendern so wie ich über den Petersplatz. Danke, dass ich hier sein darf. Bis morgen.
Tag 2
Schweizer Garde mit Anstehen am Anna Tor. Junge, motivierte Männer mit einer Aufgabe und Leidenschaft. Sie sind alle stolz, tragen diese wunderschöne Uniform, massgeschneidert. Reich wird man bei diesem Job nicht, er ist aber steuerfrei und es geht ja auch um eine andere Aufgabe: die Bereitschaft, sein Leben für den Papst zu geben. Dessen Wohnung wird im Übrigen gerade renoviert und scheint zumindest von aussen riesig zu sein. Der anschliessende Apéro wird von Freiwilligen aus dem Wallis serviert. Sie kommen jedes Jahr für zwei Wochen und bleiben der Tradition treu.
Unser Schweizer Gardist wird Ende März nach 27 Monaten wieder in die Schweiz zurückkehren und studieren… in Basel!
Santa Maria Maggiore ist unsere nächste Station und dann auf zur Via del Corso, denn es wartet eine grossartige Bar im Hotel Plaza auf mich: Bar Mascagni. Auf Instagram unter den Must-seen Top 5 Bars. So was von richtig, da muss man hin und einen Kir Royal trinken. Dazu gibt es Nüsschen, Chips, Oliven, Amarettini, Gebäck und Pralinen. Da rechnet sich der Preis pro Glas: 30 Euro. Aber es geht um den Moment, den ich lebe und innerlich feiere. Allein der Kronleuchter ist so gross wie mein Wohnzimmer.
Tag 3
16 Stunden Vatikan, da fühlt man sich schon ein bisschen zugehörig zum Vatikanstaat. Zuerst der Aufstieg in die Kuppel, bis ganz nach oben, dort, wo die Engel wohnen. Gigantische Aussicht, blauer Himmel, klares Licht, es ist kurz vor 8 und da ist er, zu meinen Füssen, der Petersplatz. Habemus Papam!
Ein Geheimtipp ist sicherlich das Café auf der Plattform der Kuppel. Cappuccino und Berliner, gefüllt mit Pistaziencreme. Nicht verpassen!
Im Petersdom selbst war ich magisch von Michelangelo angezogen und die Gräber unterhalb der Basilika sind spannend und irgendwie mysteriös.
Zum Mittagessen gab es natürlich römische Küche mit zwei von drei obligatorischen Gängen.
Energie hat man auch gebraucht, wenn man sich die überwältigenden Vatikanischen Museen anschauen wollte. Raffael & Co. erhellen dir den Tag. Mein Highlight: Raffaels Transfiguration.
Vatikanische Gärten, Pinakothek, mehr Raffael, Sixtinische Kapelle, oder wenn Konklave ein bisschen real wird.
Dann noch ein leckeres Restaurant, in dem Goethe Stammgast war. Vino, Fettuccine, Gnocchi, Saltimbocca, Tiramisu – Salute!
Tag 4
Ein Highlight nach dem nächsten. Erst wieder in aller Früh raus, um nach 7 Uhr in der Schlange für die Generalaudienz mit dem Papst zu stehen.
Er kommt pünktlich und fährt durch die Reihen, offen, ohne Panzerglas, und ich bin sofort berührt von seiner Ausstrahlung. Zuvor wurden in vielen Sprachen die Pilger und Pilgergruppen begrüsst. Der Pastoralraum Basel ist auch dabei. Alles scheint so surreal, aber Papst Leo ist wirklich an mir vorbeigefahren, gefeiert wie ein Popstar und ich sitze mit tausenden Menschen auf dem Petersplatz und bin selig.
Dass ich dann auch noch einen Raum mit einem Kardinal verbringe, ist wirklich unglaublich. Kardinal Kurt Koch ist charismatisch, begrüsst jeden und fängt mich direkt auf. Ich lausche, was er sagt, wie er komplizierte Aufgaben verständlich erklärt und dabei noch witzig ist. Sehr intelligent und doch erhaben. Er spricht mit dem Papst auf Italienisch und Englisch und sie wohnen noch im selben Gebäude im Vatikanstaat. Jetzt spätestens bin ich in meiner Vorstellung ein bisschen in der Konklave.
Der Spaziergang zur Piazza Navona und Venezia ist leicht, nach diesem Tag. Sonne scheint, alles ist gut. Auch die Rooftop-Bar am Nachmittag. Rom, I love it!
Tag 5
Hier ist mein Lieblingsmoment der Reise: der Gottesdienst um 7.00 Uhr in der deutschen Kirche im Vatikan. Eine kleine Gruppe macht sich um 6.15 Uhr auf den Weg. Die Morgensonne am Petersdom erhellt den Tag, Ruhe und Frieden über der Stadt und dort der kleine Friedhof im Vatikan. Unglaubliche Stimmung. Ergreifend der Einzug der singenden Priester, eine Kraft, die ich noch immer spüre. Wow, und das jeden Donnerstag.
Später bin ich allein in der Stadt unterwegs und habe dabei zweimal einen anderen Reiseteilnehmer durch Zufall getroffen, witzig… und noch zwei Paar weitere Schuhe!
Es regnete am Nachmittag, das einzige Mal in Rom, und unser Bus „Schachtel“ (ironisch von einer Teilnehmerin genannt) hat den Geist aufgegeben – sprich, der Bus konnte nur mit Verspätung nach Castel Gandolfo fahren. Eine andere Gruppe ist zu St. Paul vor den Mauern gepilgert.
Ich bin weder vor den Toren noch dahinter. Ich kenne heute nur ein Ziel und das heisst Shopping in der Vintage-Strasse Roms, der Via del Governo Vecchio.
Zum Dank gibt es eine 70er Jahre Bluse und das beste gelato al pistacchio e mango.
Am Abend hatten wir eine lustige Verabschiedung mit Pantomime. Sechs Gruppen haben Szenen unserer Reise nachgespielt. Absolut köstlich und bühnenreif, Chapeau! Das Abschlusslied im Kanon gesungen war ein Gänsehautmoment.
Tag 6
In der Schachtel zurück nach Basel, Reise vorbei. Noch teuer an der italienischen Tankstelle Mitbringsel für zu Hause eingekauft. Amarettini und diverse andere Süssigkeiten, die mich noch lange an diese Woche im Februar erinnern werden.
Ein letztes wunderbares gemeinsames Mittagessen, echt italienisch, an einer abgelegenen Raststätte und so fein. Natürlich kann ich nichts mehr essen in meinem Leben, zumindest nicht für die nächsten zwei Tage.
Gut genährt, seelisch, kulinarisch und im Glauben gestärkt geht es zurück in die Heimat. Wir sind als Gruppe gereist und als Gemeinschaft gewachsen zurückgekehrt. Und vielleicht ist genau dies das grösste Geschenk dieser Tage.
Aber in meinem Herzen ist Rom ganz weit vorne und vielleicht brauchen die ja im Vatikanstaat noch eine Kommunikationsmitarbeiterin.
A presto Roma, ti amo.

